Strömungsmessgrößen
Zusammenstellung von Prof. Dr.-Ing. Dr.
h.c. Bodo Ruck / Universität Karlsruhe
|
| Definitionen
und Konventionen |
 |
Raumrichtungen,
Koordinatenrichtungen |
 |
Augenblickliche
Strömungsgeschwindigkeiten in den Raumrichtungen |
 |
Mittlere
Strömungsgeschwindigkeiten in den Raumrichtungen x, y, z |
 |
Augenblickliche
Schwankungsgeschwindigkeiten in den Raumrichtungen |
 |
Mittlere
Schwankungsgeschwindigkeiten in den Raumrichtungen |
 |
Reynoldsscher
Ansatz |
 |
Dreidimensionaler
Geschwindigkeitsvektor mit den Komponenten u, v, w |
Im folgenden werden ausgewählte
Größen dargestellt, die direkt aus Messungen oder aus der statistischen Auswertung
solcher Messungen hervorgehen. Statistische Aussagen erhält man anhand von n Messungen im
Strömungsfeld ("Stichproben"), die in einem Mittelungsintervall anfallen. So
können etwa die unterschiedlichen Geschwindigkeitsmeßwerte ui in Form einer
Wahrscheinlichkeitsverteilung aufgetragen werden. Der häufigste Wert dieser Verteilung
entspricht dann der lokalen mittleren Strömungsgeschwindigkeit. Die Meßtechnik kann
somit statistisch-gemittelte Größen liefern, die z.B. exakt den Größen entsprechen,
die bei der Herleitung von Gleichungssystemen auftreten, wenn diese statistisch-gemittelt
werden (RANS-Gleichungen).
|
| Allgemeine
Größen zur Charakterisierung eines Strömungsfeldes |
| Größe/Formel |
Bemerkung |
Mittlere
Strömungsgeschwindigkeit (Moment 1. Ordnung)
 |
Die mittlere
Strömungsgeschwindigkeit stellt das arithmetische Mittel von n Meßwerten der
Geschwindigkeiten ui dar. Mittlere Geschwindigkeiten können üblicherwiese in
allen 3 Raumrichtungen bestimmt werden. Zu berücksichtigen gilt, daß einige
Meßverfahren den Ensemble-Mittelwert anstelle des Zeitmittelwertes bestimmen. |
Wahrscheinlichkeitsdichte
der gemessenen
Strömungsgeschwindigkeitsschwankungen (stetig)
 |
Es wird zumeist gemessen
oder angenommen, daß die Wahrscheinlichkeitsverteilung der
Strömungsgeschwindigkeitsschwankungen der Gaußschen Wahrscheinlichkeitsdichte folgt. Der
Verlauf der Wahrscheinlichkeitsdichte kann ,wie nebenstehend, stetig, d.h. als
Einhüllende der realen, gemessenen, diskreten PDF der Schwankungen aufgefaßt werden. |
Varianz oder Streuung aus
diskreten Meßwerten(zentrale Momente 2. Ordnung)
 |
Die Varianz oder Streuung
der Geschwindigkeitsmeßwerte stellt ein Maß für die Breite der gemessenen
Geschwindigkeitsverteilung und damit für die Turbulenz der Strömung dar. Sie kann für
jede Raumrichtung aus Meßwerten erhalten werden. |
Standardabweichung
(rms-Geschwindigkeit)
 |
Die Standardabweichung
ergibt sich aus der Wurzel der Varianz und stellt ein Maß für die mittlere
Schwankungsgeschwindigkeit in der Strömung dar. Sie wird auch als rms-Geschwindigkeit
bezeichnet und kann für jede Raumrichtung berechnet werden. |
Turbulenzgrad
 |
Der Turbulenzgrad bezieht
die Schwankungsgeschwindigkeit der Strömung (1-,2-,3-D Betrachtung möglich) auf die
mittlere Geschwindigkeit in betrachteter Strömungsrichtung. Bei nur 1-D-Betrachtung, d.h.
beim Quotient aus rms-Geschwindigkeit zu mittlerer Geschwindigkeit spricht man von
Turbulenzintensität in der entsprechenden Strömungsrichtung. |
Mittlere kinetische Energie
der Strömung
(bezogen auf die Masseneinheit)
 |
Die mittlere kinetische
Energie der Strömung berechnet sich aus den zeitgemittelten Geschwindigkeiten in den
entsprechenden Raumrichtungen. Mittlere Strömungsgeschwindigkeiten können im Gegensatz
zu Geschwindigkeitsschwankungen, die immer 3-dimensional sind, auch nur in einer oder zwei
Richtungen vorliegen. |
Turbulente kinetische
Energie der Strömung
(bezogen auf die Masseneinheit)  |
Die turbulente kinetische
Energie einer Strömung setzt sich aus den kinetischen Schwankungsenergien in allen 3
Raumrichtungen zusammen (Schwankungen sind immer 3-dimensional). Beschreibt man sie mit
nur einem 2-D-Meßverfahren, so wird - bei Annahme isotroper Turbulenz im Strömungsfeld -
der Anteil der dritten Komponente durch je ½ Anteile der beiden anderen Komponenten
angesetzt (die ja alle annähernd von der gleichen Größe sind -> isotrope Turbulenz).
Auf diese Weise entsteht der Vorfaktor 0.75 bzw. 3/4 und die angegebene Größe gibt meist
recht gut die 3-D-turbulente kinetische Energie wieder. Häufig wird anstelle von ekin,t
auch q2/2 geschrieben. |
Korrelationen der
Geschwindigkeitsschwankungen
 |
Die Messung der Korrelation
der Geschwindigkeitsschwankungen in unterschiedlichen Raumrichtungen ermöglicht die
Angabe der turbulenten Schubspannung oder der Austauschkoeffizienten. Es handelt sich
hierbei um die Korrelation der Schwankungsglieder am gleichen Ort und zur gleichen Zeit
(=0) |
Turbulente Schubspannung
 |
Die turbulente
Schubspannung kann über eine Schwankungsbetrachtung an zwei benachbarten
Strömungsschichten einer Grenzschichtströmung hergeleitet werden. Eine andere Herleitung
gelingt formal über die RANS-Gleichungen (Reynolds-Averaged Navier-Stokes), wo diese
Größe als Schubspannung im Spannungstensor erscheint. |
Produktion von turbulenter
kinetischer Energie
 |
Anhand der
Erhaltungsgleichung für die turbulente kinetische Energie wird deutlich, daß bestimmte
Terme ihre Produktion (und andere z.B. deren Dissipation) beschreiben. |
Tripelprodukte der
Schwankungen
 |
Tripelprodukte
der Geschwindigkeitsschwankungen sind Berechnungsgrößen, die für die Einschätzung des
Verlaufs z.B. der turbulenten kinetischen Energie oder der Schubspannung in Richtung einer
Raumkoordinate benötigt werden. |
 |
Verlauf der turbulenten
kinetischen Energie
 |
Der Verlauf der
turbulenten kinetischen Energie im Stromfeld kann mit nebenstehendem Term beurteilt
werden:
> 0 Verlust an turbulenter kinetischer Energie
< 0 Zunahme an turbulenter kinetischer Energie |
Verlauf der turbulenten
Schubspannung
 |
Auch für die
Beurteilung des Verlaufs der turbulenten Schubspannung entlang einer Raumrichtung wird ein
Tripelprodukt der Schwankungsglieder benötigt:
< 0 Verlust , > 0 Zunahme an turbulenter Schubspannung |
Prandtlscher Mischungsweg
 |
Von Prandtl eingeführter
Zusammenhang zwischen Wirbelviskosität und gemitteltem Wirbelfeld. Beschreibt den Weg,
den einheitlich bewegte "Strömungsballen" senkrecht zur Wand im Mittel
zurücklegen, bevor sie sich vermischen und ihre Individualität verlieren. |
'Vorticity'
 |
Beschreibt die lokale
Wirbelhaftigkeit eines Strömungsfeldes. Mit Hilfe der 'vorticity' kann eine Aussage über
die Drehungsfreiheit oder den Grad der lokalen Drehung der Strömung gewonnen werden. |
Zeitliche
Kreuzkorrelationsfunktion zweier Zeitreihen
allg.:
bedeutet: |
Die turbulenten
Schwankungen in einer Strömung sind nicht unabhängig voneinander. Über eine gewisse
Zeit besteht zwischen zwei Meßwert-verläufen u1(t) und u2(t) an
verschiedenen Punkten P1 und P2 im Stromfeld ein Zusammenhang. Eine
Korrelation durchzuführen bedeutet, sämtliche Meßwerte einer Zeitreihe 1 von Punkt P1
mit sämtlichen Meßwerten einer Zeitreihe 2 von Punkt P2 zum Zeitversatz
miteinander zu multiplizieren und die Produkte aufzusummieren. Führt man dies für
verschiedene durch, so ergibt sich eine Korrelationsfunktion in Abhängigkeit von . |
Autokorrelation
 |
Anstelle an zwei
unterschiedlichen Punkten kann die zeitliche Korrelation eines Meßwertverlaufs
(Zeitreihe) auch an nur einem Punkte geschehen. Da es sich in diesem Fall um die Summation
der Produkte der Meßwerte der identischen Zeitreihe zu unterschiedlichen Zeitversätzen
handelt, wird von Autokorrelation gesprochen. |
normierte
Kreuzkorrelationsfunktion
 |
Die Korrelationsfunktion
wird häufig in ihrer normierten Form verwendet. Man bezeichnet sie auch als
Korrelationskoeffizient. |
normierte
Autokorrelationsfunktion
 |
Entsprechend kann auch die
Autokorrelationsfunktion in normierter Schreibweise angegeben werden. |
räumlich-zeitliche
Korrelationsfunktion
 |
Wird nicht der Zeitversatz
bei der Korrelation variiert, sondern die Meßwertverläufe zur gleichen Zeit (=0) aber
bei variablem Meßpunktabstand a korreliert, so ergibt sich eine räumlich-zeitliche
Korrelationsfunktion. |
normierte
räumlich-zeitliche Korrelationsfunktion
 |
Die (normierte)
räumlich-zeitliche Korrelationsfunktion läßt somit Aussagen zu, um wie genau noch die
Zeitreihen (Meßwerte) miteinander übereinstimmen, wenn man, beginnend vom selben Punkt
aus mit zwei unabhängigen Meßsystemen die Werte registriert und dabei einen zunehmenden
Abstand der Meßpunkte zuläßt. Am Anfang muß (bei der normierten Form) der
Funktionswert den Wert 1 ergeben, er fällt dann ab. |
Integrallängenmaß der
Turbulenz
 |
Integriert man die
normierte räumlich-zeitliche Korrelationsfunktion der Schwankungen über den Abstand a,
so erhält man das Integralmaß L der Turbulenz, das Aussagen über die einheitlich
bewegte Masse (Turbulenzballengröße) zuläßt. Entspricht der Fläche unter der
normierten räumlich-zeitlichen Korrelationsfunktion, wenn sie zu einem Rechteck
zusammengeschoben wird mit den Kantenlängen 1 und L |